99 Orte, an denen Backstein Maßstäbe setzt
Die Jury des Erich-Mendelsohn-Preises 2026 für Backstein-Architektur hat entschieden: Aus rund 500 Einreichungen wurden 99 Architekturbüros und Projekte aus 18 Ländern von den Jurorinnen und Juroren...
Auf der Preisverleihung am 4. September wurden die Gewinner des Erich-Mendelsohn-Preises 2026 für Backstein-Architektur bekannt gegeben. Bei ihrer Entscheidung legte die Jury in diesem Jahr besonderes Augenmerk auf drei Kriterien: den gestalterischen und konstruktiven Einsatz des Materials Backstein, den sensiblen Umgang mit dem Bestand sowie die Berücksichtigung sozialer Aspekte. Entlang dieser Kriterien entschied sich die Jury für die Erweiterung von Het Steen in Antwerpen von noAarchitecten als Grand-Prix-Winner.
„Die ausgezeichneten Projekte zeigen, wie zeitgemäß und vielseitig Backsteinarchitektur sein kann“, sagt Max Wasserkampf, Präsidiumsmitglied des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten BDA. Entscheidend sei dabei, dass Backstein nicht nur als prägendes Material eingesetzt, sondern als Teil einer ganzheitlichen architektonischen Haltung verstanden wird. „Die Gewinner stehen für eine Baukunst, die Material, Ort, Geschichte und soziale Verantwortung auf besondere Weise miteinander in Einklang bringt“, so Wasserkampf.
Erstmals geht der Grand Prix nach Belgien – in ein Land, dessen Baukultur seit Jahrhunderten eng mit dem Backstein verbunden ist. Bei der Erweiterung und Restaurierung der mittelalterlichen Burganlage Het Steen in Antwerpen setzt das Büro noAarchitecten Backstein als Bindeglied zwischen historischer Substanz und zeitgenössischer Architektur ein. Das Projekt überzeugte die Jury durch die behutsame Weiterentwicklung des historischen Bestands und die Öffnung des Denkmals als lebendigen öffentlichen Ort.
WINNER 2026
noAarchitecten
Projekt: Het Steen Antwerp (Antwerpen, Belgien)
EIN ECHO DER JAHRHUNDERTE
„Das Projekt Het Steen schreibt den Ausdruck der Burg als Landmark der Stadt Antwerpen zum Fluss hin fort. Die Architekt:innen bauen gekonnt die historische markante Burg weiter, statt zu brechen oder zurückzukehren – Bestand und Erweiterung werden zu einem selbstverständlichen Ganzen. Der sensible Umgang mit der farblichen Variation der Backsteine macht die Patina der Zeitschichten sichtbar: Das Weiterbauen selbst wird zur gestalterischen Qualität. Die charakteristischen Merkmale einer Burg – Mauerwerk, Erker, Nischen, Zinnen und Türme – werden in rohen, zeitgemäßen Materialien formuliert. Die Geschichte und die Gegenwart verbinden sich in Programmatik so wie in der Architektur.“
– Statement der Jury
dmvA
Projekt: Wasserijsite (Gent, BE)
Studio Weave
Projekt: Woolwich Market Pavilion and Gardens (London, UK)
Thomas Kröger Architekten
Projekt: Stadtteilschule Kirchwerder (Hamburg, DE)
Comas-Pont arquitectes
Projekt: Riells Square (Riells del Fai, ES)
EM2N
Projekt: Neubau Naturhistorisches Museum Basel und Staatsarchiv Basel-Stadt (Basel, CH)
BSS | Bär Stadelmann Stöcker Architekten und Stadtplaner
Projekt: Neubau der Feuer‐ und Rettungswache 5 (Stuttgart‐Möhringen, DE)
Bernardo Bader Architekten
Projekt: Bildungscampus Marianum (Bregenz, AT)
NERVIN architecture
Projekt: Sammontalo (Lappeenranta, FI)
Crossboundaries
Projekt: Songzhuang Micro Community Park (Beijing, CN)
AFF Architekten
Projekt: Spore Initiative (Berlin, DE)
Barozzi Veiga und Tab Architects
Projekt: Abby Kortrijk (Kortrijk, BE)
Westner Schührer Zöhrer Architekten und Stadtplaner
Projekt: Pfarrzentrum St.Thomas Morus (München, DE)
Bovenbouw Architectuur und David Kohn Architects
Projekt: Reconversion of Hasselt Beguinage (Hasselt, BE)
Arquitecturia Camps Felip
Projekt: Rehabilitation of the Agricultural Cooperative for a Multipurpose and Cultural Space (Flix, Tarragona, ES)
HCCH Studio
Projekt: Twisted Brick Shell Concept Library (Longyou City, CN)
Angela Deuber Architects
Projekt: Weiterbau eines ummauerten Gartens (Erftstadt, DE)
kbg architekten
Projekt: Rathaus Bakum (Bakum, DE)
WINNER 2026
Caruso St John Architects
Projekt: Veemgebouw (Eindhoven, NL)
DIE KRÖNUNG DES BESTANDS
„Das VEEM-Gebäude in Eindhoven ist eine beispielhafte Transformation eines modernistischen Lagerhauses aus den 1940er-Jahren in eine Wohnnutzung. Statt die schwierigen räumlichen Voraussetzungen der ehemaligen Nutzung zu überformen, entwickelt das Projekt daraus eine klare Strategie: Der Bestand wird mit minimalen Eingriffen weitergenutzt und um drei neue Wohngeschosse ergänzt. Der neue Dachaufbau reagiert konstruktiv und gestalterisch präzise auf das Bestehende. Die wellenförmigen Backsteinfassaden greifen die Materialität des Bestands auf, interpretieren sie jedoch eigenständig und verleihen dem Gebäude einen neuen, identitätsstiftenden Ausdruck. Besonders überzeugt die Kombination aus hoher architektonischer Qualität und sozialer Verantwortung: 38 großzügige Studios und Maisonetten entstehen zu erschwinglichen Mieten; der begrünte Dachhof und die privaten Terrassen schaffen trotz der dichten innerstädtischen Lage qualitätsvolle Außenräume.“
– Statement der Jury
martenswillems
Projekt: Miller (Maastricht, NL)
BURR STUDIO
Projekt: O14 (Madrid, ES)
Studio Jan Vermeulen
Projekt: Felix (Brussel, BE)
Stephen Taylor Architects
Projekt: Golf Links Estate (London, UK)
kamps+
Projekt: Denkmalgerechte Grundinstandsetzung des Friedrich-Ebert-Hofs (Hamburg, DE)
08014
Projekt: 24 Public Dwellings in Platja d'en Bossa (Eivissa, ES)
Löser Lott Architekten
Projekt: Wohnen am Schröderplatz (Rostock, DE)
Bovenbouw architectuur
Projekt: Apartment Building in the Docklands (Antwerpen, BE)
coido
Projekt: Pergolenviertel BF 5+6 (Hamburg, DE)
Diezinger Architekten Eichstätt und aichner kazzer architekten
München
Projekt: Wohntürme in Ingolstadt (Ingolstadt, DE)
AllesWirdGut Architektur ZT
Projekt: Königskinder – Quartier Spinelli BF1 (Mannheim, DE)
MAKER architecten
Projekt: YIMBY (yes in my backyard) – social and urban infill project (Kortrijk, BE)
Pedro & Juana
Projekt: T42 (Mexiko-Stadt, MX)
Korth Tielens Architects und Marcel Lok_Architect
Projekt: Spaarndammerhart (Amsterdam, NL)
WINNER 2026
Boltshauser Architekten
Projekt: Hotel Leo (St. Gallen, CH)
NACHHALTIG IN DIE HÖHE GEKLETTERT
„1924 formulierte der britische Architekt und Stadtplaner Arthur Trystan Edwards Grundsätze für gute und schlechte Manieren in der Architektur: Gebäude sollten mit Rücksicht auf ihre Umgebung, ihre Nutzer und die Gesellschaft entworfen werden und einen positiven Beitrag zur gebauten Umwelt leisten, statt um ihrer selbst willen aufzufallen. 100 Jahre später erfüllt das Hotel Leo alle Grundsätze guter Manieren in der Architektur, als wäre das Buch die Vorlage für den Entwurf gewesen. Das Gebäude fügt sich respektvoll in den Ort ein. Materialien und Farbigkeit der Fassaden der benachbarten Villa dienen dem Neubau als Vorbild. Durch die sorgfältige Setzung des neuen Baukörpers entsteht ein kleiner öffentlicher Platz, der vielfältig bespielt werden kann. Der Einsatz von natürlichen Farben und unbehandelten Materialen entsprechen den Anforderungen an ein langlebiges Bauwerk und sichern dauerhafte Schönheit der Architektur.“
– Statement der Jury
ATELIER ARS
Projekt: Bottling Warehouse and Offices for Clase Azul (Tepatitlán de Morelos, MX)
KPW Papay Warncke Vagt Architekten
Projekt: Johann Kontor (Hamburg, DE)
Therese Strohe Michael Ullrich Architekten
Projekt: Gut Hellersdorf Haus 13 (Berlin, DE)
BIWERMAU Architekten
Projekt: Maschinenzentralstation (Hamburg, DE)
Miller & Maranta (Entwurfsarchitekt) und Gruppe GME Architekten (Ausführungsplanung und Baubetreuung)
Projekt: Neubau Essighaus Bremen (Bremen, DE)
Florian Fischötter Architekt
Projekt: Büro- und Geschäftsgebäude Sophienkontor (Kiel, DE)
Estudio ALA
Projekt: Mezcal Production Palenque (Guadalajara, Jalisco, MX)
Bauwerkstadt Architekten
Projekt: Bürogebäude Godesbergerallee (Bonn, DE)
O+M Architekten
Projekt: Neubau Archivgebäude der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (Dresden, DE)
Dva Arhitekta
Projekt: Tomac Winery (Donja Reka, HR)
WINNER 2026
Klöpfel Zeimer Architekten
Projekt: Umbau Siedlerhaus Battin (Brüssow, DE)
NEUORDNUNG AUS DER MITTE
„Das Einfamilienhaus bietet den idealen Rahmen für architektonische Forschung. Im Bereich des Wohnens können Architekten innovativ arbeiten – wobei Innovation klar von bloßer Neuartigkeit zu unterscheiden ist. Henry David Thoreau bezeichnete Keller und Kamin – beide aus Backstein errichtet – als die dauerhaften Elemente einer Behausung, im Gegensatz zu ihren eher wandelbaren oder provisorischen Bestandteilen. Dem Projekt gelingt es, dieses Konzept zu aktualisieren und über die rein konzeptionelle Ebene hinaus eine sinnlich erfahrbare Architektur zu schaffen, die in Geometrie, Materialität und grundlegenden familiären Ritualen verankert ist. Das Projekt zeichnet sich als beispielhafter Entwurf von großem architektonischem Interesse aus – sowohl hinsichtlich der Konstruktion und des strukturellen Einsatzes von Backstein als auch in seiner Neuinterpretation häuslicher Archetypen. Es greift tief verwurzelte Archetypen auf und entwickelt sie zugleich in konstruktiver und typologischer Hinsicht weiter. “
– Statement der Jury
OBO ESTUDI ARQUITECTURA
Projekt: Manel and Montse House (Sant Esteve de Palautordera, ES)
Bernd Schmutz Architekten
Projekt: D 32 (Marxdorf, DE)
Al Borde
Projekt: House in La Vicentina (Quito, EC)
Escobedo Soliz
Projekt: Pirules House (San Miguel de Allende, MX)
Uwe Schröder Architekt
Projekt: Haus in Wershofen (Wershofen, DE)
3G1 Architektur
Projekt: Atelierhaus Feldafing (Feldafing, DE)
NOTO Basista Becker Jansen Architekten
Projekt: Haus Akazienweg (Hamburg, DE)
Amunt
Projekt: Trenthorst (Westerau, DE)
Büro Voigt
Projekt: Tischbein
Studio Juggernaut
Projekt: Gooseberry Orchard House (Mant, IN)
Modersohn & Freiesleben Architekten
Projekt: Haus W. (Ringgau-Netra, DE)
taller11 cooperativa d'arquitectura
Projekt: CASA0006 (Vilafranca del Penedès, ES)
WINNER 2026
DMSW Architektur Stadt Landschaft
Projekt: Ein Monolith als Lückenschluss (Berlin, DE)
DIE STADT ZUENDE GEDACHT
„Das Baugruppenhaus schließt eine Baulücke zwischen Häusern, die alle auf ihre Art stark von ihrer Zeit geprägt sind. Trotz schwierigem Grundstück und nötiger Brandwand gelingt es, eine klare Grundstücksgrenze zu bilden und den Block als Ganzes zu denken. Mit der dezenten, monolithischen Backsteinfassade erhält das Haus eine Materialität, die den Ton des Ortes trifft. Somit liegt die Stärke des Projektes im Städtebaulichen, indem es den Raum weiterentwickelt und ihn sich zu eigen macht. “
– Statement der Jury
ZILA
Projekt: Erweiterung Kaiserin-Augusta-Schule (Köln, DE)
IN DER FUGE LIEGT DIE KRAFT
„Die Erweiterung der Kaiserin-Augusta-Schule überzeugt durch die selbstverständliche Verbindung von Städtebau, Bestand und neuer Architektur. Besonders überzeugend ist der präzise Umgang mit dem Material Backstein: Der handwerklich hergestellte Wasserstrichziegel wird nicht nur als Fassadenbekleidung eingesetzt, sondern bestimmt maßgeblich den architektonischen Ausdruck. Unterschiedliche Fugenraster, Verbände und Detaillierungen reagieren auf den heterogenen Kontext und verleihen der klar strukturierten Fassade eine subtile Differenzierung. Auch im Inneren wird das Material konsequent weitergeführt. So entsteht eine Architektur, die aus konstruktiver Logik, sorgfältiger Materialwahl und räumlicher Qualität entwickelt ist. Zugleich zeigt das Projekt, wie sensibel mit einem historischen und gesellschaftlich aufgeladenen Ort umgegangen werden kann: Die neue Durchwegung und die städtebauliche Neuordnung geben dem Quartier eine klare Struktur, ohne die Geschichte des Ortes zu überdecken.“
– Statement der Jury
BIWERMAU Architekten
Projekt: Maschinenzentralstation (Hamburg, DE)
EIN PUZZLESTÜCK FÜGT DAS WELTERBE
„Die im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigte Maschinenzentralstation in der Hamburger Speicherstadt erhält mit dem Wiederaufbau des zerstörten Kopfbaus ihre ursprüngliche Kubatur zurück. Eine anspruchsvolle Bauaufgabe an einem besonderen Ort: Alt und Neu verbinden sich mit großer Selbstverständlichkeit zu einem gemeinsamen Haus. Die klare Geometrie des neuen Baukörpers stärkt den Bestand und gibt dem historischen Ensemble seine städtebauliche Präsenz zurück. Dabei bleibt die Geschichte ablesbar, ohne die Architektur der Gegenwart zurückzunehmen.“
– Statement der Jury
WINNER 2026
Deborah Süß (HTWK Leipzig)
Projekt: Kühlturm (Leipzig, DE)
EINE NEUE TYPOLOGIE DER HITZERESISTENZ
„Wir haben das Projekt ‚Kühlturm‘ mit Gold ausgezeichnet, weil es mit dem Material Backstein eine neue und für unsere Städte immer wichtiger werdende Funktion schafft: einen öffentlichen Ort der Kühlung, der zugleich Aufenthaltsraum und Busstation – also zugänglich für alle ist. Besonders überzeugt hat uns, wie aus dieser Verbindung von Material und Funktion eine eigenständige, neue Formensprache entsteht. Eine Architektur, die ökologische und soziale Anforderungen miteinander verbindet und gerade deshalb für die Zeit, in der wir leben, von besonderer Relevanz ist.“
– Statement der Jury
Ole Mohrenweiser (Bauhaus-Universität Weimar)
Projekt: Gemeinschaft wächst nicht auf Bäumen (Magdeburg, DE)
Philip Becker (Rheinland-Pfälzische Technische Universität Kaiserslautern-Landau)
Projekt: Die Transformation des historischen Kaufhauses von 's-Hertogenbosch ('s-Hertogenbosch, NL)
Yannik Schümann (Technische Hochschule Lübeck)
Projekt: Kirchengemeindezentrum St. Matthäi (Lübeck, DE)
Ruben Felberbaum und Zoe Kleinbongartz (Technische Universität München)
Projekt: Pinakothek des 21. Jahrhunderts (München, DE)
Milena Celine Hoeg (Technische Hochschule Augsburg)
Projekt: Transformation des Memminger Klinikums in ein belebtes Wohnquartier (Markt Rettenbach, DE)
Henny Krätzschmar und Ludwig Schwarz (Technische Universität Dresden)
Projekt: Schichtsalat (Berlin, DE)