Veemgebouw
Caruso St John Architects
DIE KRÖNUNG DES BESTANDS
Das denkmalgeschützte VEEM-Gebäude wird mit minimalen Eingriffen umgenutzt und durch drei Wohngeschosse ergänzt. Die markante Aufstockung mit begrüntem Dachhof stärkt seine Rolle als Orientierungspunkt im Quartier Strijp-S.
Das VEEM-Gebäude bildet einen markanten Orientierungspunkt am Rand von Strijp-S, einem sich im Wandel befindenden Stadtquartier in Eindhoven, das auf dem ehemaligen Philips-Werksgelände entwickelt wird. Der zehnstöckige Bau der Moderne wurde in den 1940er-Jahren als Lagerhaus am Ende der Produktionskette von Philips errichtet. Dort wurden fertige Konsumgüter vor ihrer Auslieferung gelagert.
Nachdem Philips das Gelände 1996 verlassen hatte, wurde das Areal von einer öffentlich-privaten Partnerschaft übernommen, mit dem Ziel, ein gemischt ge- nutztes Stadtquartier mit Schwerpunkt auf Wohnungs- bau zu entwickeln. Die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Trudo übernahm das VEEM-Gebäude. Angesichts der schwierigen Voraussetzungen – insbesondere der großen Gebäudetiefe, des engen Stützenrasters und der geringen Deckenhöhe von nur 2,8 Metern – schrieb Trudo 2007 einen Ideenwettbewerb aus. Caruso St John gewann mit einem Entwurf, der darauf verzichtete, die ungeeigneten Innenräume zwanghaft in Wohnungen umzuwandeln. Stattdessen wurden drei neue Wohngeschosse auf das bestehende Gebäude gesetzt und um einen geschützten Innenhof angeordnet.
Der bestehende Gebäudekörper wurde mit möglichst wenigen Eingriffen saniert. Das Erdgeschoss wurde geöffnet und beherbergt heute eine Markthalle mit gastronomischem Angebot, während die neun darüberliegenden Geschosse als Parkhaus für das umliegende Quartier dienen – eine pragmatische Antwort auf die niederländischen Planungsvorgaben. In den oberen Geschossen befinden sich Wohnungen und Büros. 95 Prozent der ursprünglichen Stahlfenster konnten erhalten werden; lediglich die Verglasung musste ausgetauscht werden.
Der neue Dachaufbau umfasst 38 Studios und Maisonettewohnungen, die sich um einen begrünten Innenhof gruppieren. Dieser wird über eine Aufzugslobby im ursprünglichen Gebäudekern erschlossen. Die Wohnungen werden zu erschwinglichen Mieten im mittleren Preissegment angeboten. Sie sind großzügig geschnitten und verfügen über eigene Eingangstüren zum Innenhof. Tiefe, von Mauern eingefasste Terrassen bieten geschützte private Außenbereiche, deren gezielt gesetzte Öffnungen Ausblicke über die Stadt rahmen. Konstruktiv besteht die Aufstockung aus gedämmten zweischaligen Ziegelwänden mit Innenschalen aus Kalksandstein. Für die oberen Geschossdecken wurde Holz verwendet, um die zusätzliche Belastung der bestehenden Tragstruktur zu reduzieren.
Caruso St John untersuchte die ursprüngliche Materialund Farbpalette des Gebäudes detailliert und leitete daraus das Farbkonzept für die Sanierung ab. Türkis, Altrosa, Grau und ein kräftiges Eidottergelb wurden an den Metallbauteilen wieder eingeführt. Diese Farben finden sich auch im neuen Dachaufbau wieder und verbinden Alt und Neu gestalterisch miteinander. Die wellenförmig ausgebildeten Backsteinfassaden der Aufstockung entwickeln den modernen Charakter des Bestands durch unterschiedliche Mauerwerks- verbände weiter und schaffen eine markante, unverwechselbare Dachsilhouette. Ein neuer beleuchteter Stahlmast stellt zudem die frühere Funktion des Gebäudes als weithin sichtbares Zeichen in der Stadtsilhouette wieder her.
Auch energetisch schneidet das Projekt gut ab. Auf dem Dach installierte Wärmepumpen sorgen für Heizung und Warmwasser. Ergänzend sind Photovoltaikanlagen vorgesehen, mit denen über das Jahr hinweg eine ausgeglichene Energiebilanz erreicht werden soll. Das ausführende Architekturbüro V/Architecten setzte das Projekt mit bemerkenswerter Treue zu einem Entwurf um, der bereits mehr als ein Jahrzehnt zuvor entwickelt worden war.
Caruso St John Architects