Het Steen Antwerp

Deborah Süß

Kühlturm

EINE NEUE TYPOLOGIE DER HITZERESISTENZ

Der Kühlturm am Bayerischen Platz verbindet industrielle Formensprache mit traditionellen Prinzipien passiver Kühlung. Gedrehte Backsteine leiten kühle Winde ins Innere und schaffen einen öffentlichen Rückzugsort.

Inspiriert von Bernd und Hilla Bechers Formstudien industrieller Solitärarchitekturen wie Kühltürmen, Wasser- und Gasspeichern, adaptiert der Entwurf die Skulpturalität sowie Materialität von Per Kirkebys Verkehrsturm. Zu beobachten ist die immer wiederkehrende Formsprache von Massen, die zueinander in Beziehung gesetzt werden. Kugeln, Zylinder und turmartige Aufsätze sitzen über einem Sockel, der mal massiv, mal durch Stützen ausgebildet wird.

Die Verwendung roter Stahlrahmen mit Klinkerausfachung in einem Gerüst aus Stahlstützen ermöglicht die Auflösung des Kühlturmsockels, welcher nun durch bewegliche Verschattungselemente gebildet wird. Bei Windstille wird die durch die thermische Masse des Backsteins gespeicherte Wärme abgegeben und erzeugt aufgrund des Kamineffektes das Nachströmen kühler Luft.

Zudem wird die traditionelle iranische Badgir-Architektur öffentlich nutzbar gemacht. Kühle Winde aus den Hauptwindrichtungen SSW und Ost werden durch gedrehte Backsteine, die als Windfänger fungieren, in den Turm geleitet und verdrängen so die warme Luft des Sockelbereiches. Gekühlt werden nicht lediglich private Wohnräume, sondern ein öffentlich zugänglicher Raum.

Der Kühlturm ist Orientierung, Treffpunkt, ein Ort zum Verweilen und Warten. Er bietet den durchschnittlich älteren Anwohner:innen rundum den Bayerischen Platz, den Fußgänger:innen und ÖPNV-Nutzenden einen kühlen Ort inmitten einer der größten Hitzeinseln Leipzigs.

Deborah Süß

Ort
Antwerpen, Belgien
Bauherr
City of Antwerp
Architektenprofil
Grundstückfläche
1.900 m²
Bebaute Fläche
57 m²
Nutzungsfläche
55 m²