Gemeinschaft wächst nicht auf Bäumen
Ole Mohrenweiser
NEUE GEMEINSCHAFT IN ALTEN MAUERN
Das ehemalige Sudhaus einer Magdeburger Brauerei wird zum offenen Treffpunkt für Menschen unterschiedlicher Herkunft und Lebenswelten. Behutsame Eingriffe bewahren die Spuren des Bestands, während neuer Raum für Gemeinschaft entsteht.
Menschen brauchen Gemeinschaft. Mein Anliegen, einen Ort für alle in Magdeburg zu erschaffen, liegt mir als Magdeburger am Herzen. Es gibt zu wenige Angebote, die Menschen zusammenbringen und die Internationalität zelebrieren. Nur durch Austausch und Annäherung kann sich aus Einzelpersonen eine Gesellschaft bilden, die einander vertraut ist und sich zusammen weiterentwickeln kann. Es braucht frische Perspektiven, um neue Erkenntnisse für ein besseres Zusammenleben zu schaffen. Dafür muss jedoch der Blick über den Tellerrand gelenkt werden. Der einzige Weg gemeinsam zu leben, ist gemeinsam zu leben.
Das ehemalige Brauereigebäude an der Sieverstorstraße befindet sich genau hier in zentraler Lage der Alten Neustadt, inmitten von Wohnbauten und Leerstand. Das große Brachland mit dem verbliebenen Sudhaus bietet die perfekte Grundlage für einen Ort des Zusammenkommens und des Miteinanders. Mein Ziel ist es, solch einen Treffpunkt für Menschen mit verschiedenen Hintergründen zu schaffen. Dabei sind nicht nur Menschen mit Migrationshintergrund gemeint, sondern auch eingesessene Magdeburger, die seit langer Zeit oder schon über Generationen hier leben.
Die verschiedenen Angebote des neuen, kreativen Ortes bringen die Menschen über gemeinsame Interessen oder die individuelle Neugierde in Kontakt. Die Workshop- Bereiche, wie die Kochschule oder die Werkstatt, sollen Menschen ermöglichen, ihre Perspektive zu teilen und voneinander zu lernen. Die Umkleidekabinen bieten durch inkludierende Architektur eine Grundlage für Initiativen oder Freizeit-Teams, die durch das Sportangebot im Außenbereich entstehen. Die Tonstudios dienen ebenfalls dem Zweck, gemeinsam zu proben und aufzunehmen. Die Bühne unter dem Kesselraum ist ein Sprachrohr für alle in die Öffentlichkeit. Die großen Öffnungen im Erdgeschoss machen die lebendige Atmosphäre bereits beim Eintritt erfahrbar. Das Gebäude lebt und das ist das Herz.
Der Umgang mit dem Sudhaus spielt dabei eine sehr wichtige Rolle. Der Bestand soll zelebriert werden. Die neue Funktion passt sich an die geschichtsträchtige Substanz an und reiht sich somit in die langwährende Geschichte ein, anstatt sie zu beanspruchen. Alle Zeitpunkte bleiben ablesbar. Diese Idee soll sich nicht vor der eigenen Realität verstecken müssen. Der Fokus lag bei den Eingriffen auf der konstruktiven sowie finanziellen Effizienz. Die Eingriffe dienen der neuen Funktion im alten Bestand. Die Funktion im Vordergrund und die heutigen Bauvorgaben sind maßgebend in die Planung eingeflossen. Mit radikaler Zärtlichkeit wird dieses Gebäude zu einem Behälter für neues, gemeinsames Leben.
Die Alte Neustadt soll mit diesem resilienten Konzept nachhaltig wiederbelebt werden. Das Gebäude bringt Menschen zusammen. Niederschwellig sollen mit diversen kulturellen Angeboten und durch verschiedene Aktionen, die zum Mitmachen locken, Hemmungen abgebaut und Interessen geweckt werden.
Ole Mohrenweiser