Wasserijsite
dmvA
ARCHITEKTUR DER KONTRASTE
Das gemeinschaftsorientierte Sanierungsprojekt öffnet den dicht bebauten Block und schafft grüne, zugängliche Räume, während historische Elemente erhalten bleiben, die an die Vergangenheit des Ortes als industrielle Wäscherei erinnern.
Das Wasserijsite ist Teil einer Stadterneuerungsinitiative im Genter Stadtteil Dampoort, die in Form von Pilotprojekten unter aktiver Beteiligung der Bewohner entwickelt wurde. Das Areal wird als gemischt genutzter urbaner Raum neu gedacht, der lokales Unternehmertum und kreative Initiativen fördert – ein Ort, an dem Arbeiten, Gestalten und Zusammenkommen miteinander verbunden werden.
Die Transformation beginnt mit einer grundlegenden Veränderung der Zugänglichkeit. Eine zentrale Passage verbindet die umliegenden Straßen und verwandelt den ehemals abgeschlossenen Innenhof in eine durchlässige öffentliche Verbindung. Der Weg führt durch einen offenen Außenraum, eine Passage durch den Hof und eine interne Erschließungsachse im ehemaligen Wäschereigebäude. Eine Stahlkonstruktion markiert den Eingang und stabilisiert zugleich die freigelegten Seitenfassaden, die durch Kletterpflanzen begrünt werden.
Anstatt die industrielle Vergangenheit des Ortes auszulöschen, integriert der Entwurf seinen bestehenden Charakter behutsam. Die industrielle Backsteinfassade an der Kunstenaarstraat, die modernistischen Hoffassaden, der gemauerte Schornstein, der Wassertank und das Buntglasfenster bleiben erhalten und werden in den neuen Entwurf eingebunden. So bleibt das Projekt in seiner Geschichte verankert, ohne zu einem musealen Ort zu werden.
Diese Haltung zum Bestand zeigt sich in einer Architektur mit „Narben“: Spuren der Vergangenheit bleiben sichtbar und lesbar. Neue Eingriffe verschmelzen nicht nahtlos mit dem Bestand, sondern betonen bewusst die Unterschiede in Zeit und Materialität. Sichtbeton, verzinkter Stahl und raues Mauerwerk stehen deutlich neben restaurierten Elementen. Ein Beispiel dafür ist die Fassade des Innenhofs, die nach dem Abbruch weniger erhaltenswerter Bauteile gedämmt und mit vorgefertigten Mauerwerksblöcken verkleidet wurde.
Flexibilität ist ein zentraler Bestandteil der langfristigen Strategie. Eine klare Erschließungsstruktur und gezielt angeordnete Kerne ermöglichen es dem Komplex, sich an veränderte Nutzungen anzupassen. Ergänzt wird dies durch ein Konzept für DIY-Bausätze: Schnell zu errichtende Mauerwerkskonstruktionen und Decken aus keramischen Hohlkörpern und Trägern ermöglichen es den Nutzer, innerhalb der großen Industriehalle eigene Ateliers zu gestalten.
Das Wasserijsite verbindet Bestandserhalt, Flexibilität und gemeinschaftliche Nutzung durch eine Architek- tur, die bewusst mit Kontrasten arbeitet. Restaurierte Strukturen treffen auf rohe, zeitgenössische Ergänzungen und erzeugen eine vielschichtige, ausdrucksstarke Identität. Neue Durchgänge, ein barrierefrei zugängliches Erdgeschoss und offene Innenräume senken räumliche Schwellen und integrieren das Projekt in den urbanen Alltag von Sint-Amandsberg. Das Areal ist damit nicht nur ein Zielort, sondern auch ein verbindendes Element innerhalb des Stadtgefüges.
Mit der Transformation zeigt dmvA, wie die Umnutzung bestehender Strukturen zu einer vielfältigeren und inklusiveren Stadt beitragen kann. Statt eines abgeschlossenen Endprodukts versteht sich das Wasserijsite als Rahmen für neue urbane Dynamiken, der sich gemeinsam mit seinen Nutzern weiterentwickeln kann und zugleich fest in seinem Kontext verankert bleibt.
dmvA