Miller

Martens Willems

Miller

BACKSTEIN IN ALL SEINEN SPIELARTEN

Das an einem grünen Boulevard gelegene Wohnensemble untersucht das Zusammenspiel von traditionellem Mauerwerk und industriell vorgefertigten Backsteinelementen innerhalb einer einheitlichen Architektursprache.

Das Wohnensemble Miller Housing liegt am nördlichen Rand von Maastricht, wo die ehemalige Autobahn in den grünen Boulevard „De Groene Loper“ umgewandelt wurde. Jahrzehntelang war das Quartier zwischen Infrastrukturen eingezwängt; heute wird es neu in die Stadt eingebunden. Dies erfordert eine Architektur, die zwischen unterschiedlichen Maßstäben, Geschwindigkeiten und Atmosphären vermittelt.

Das Projekt besteht aus einem fünfgeschossigen Wohngebäude und einer Reihe ebenerdiger Häuser. Gemeinsam bilden sie eine städtebauliche Kante und treten in einen Dialog zwischen Typologien, Konstruktionsweisen und unterschiedlichen Ausdrucksformen des Backsteins.

Das Wohngebäude fungiert als Bindeglied zwischen gegensätzlichen städtebaulichen Situationen: der kleinteiligen Struktur des Wiederaufbauviertels der 1950er- Jahre, dem infrastrukturellen Maßstab der Ringstraße und der neu entstehenden Boulevardlandschaft. Sein Volumen wirkt wie ein Wall, der das Quartier vor Lärm schützt und zugleich auf die Geschwindigkeit und Präsenz der angrenzenden Infrastruktur reagiert. Diese Dualität spiegelt sich in der Backsteinarchitektur wider: Eine robuste Fassade orientiert sich zur Straße, während die Innenseite differenzierter und stärker auf das Wohnen ausgerichtet ist.

Backstein prägt den architektonischen Ausdruck. Das Gebäude besteht aus rotem Backstein, der im lokalen Kontext verwurzelt ist und durch präzise Details sowie subtile Variationen der Fugenfarbe verfeinert wird. Akzente aus glasierten Ziegeln markieren Eingänge, Ecken und Übergänge. Die skulpturale Gliederung des Baukörpers mit abgerundeten Treppenhäusern und einem markanten oberen Abschluss knüpft an die expressive Tradition der Amsterdamer Schule an, in der Backstein zugleich als Konstruktion und Ornament eingesetzt wird.

Die Galerie entlang der Nordfassade ist als Folge erhöhter Wohnstraßen konzipiert. Ihre großzügige Breite und Sitzbänke verwandeln die Erschließung in einen gemeinschaftlichen Raum. Große Öffnungen schaffen visuelle und räumliche Verbindungen zwischen den Wohnungen und der Galerie und erzeugen einen fließenden Übergang zwischen den privaten und den gemeinschaftlichen Bereichen.

Die ebenerdigen Häuser verfolgen dagegen einen anderen Umgang mit Backstein. Ihre Fassaden basieren auf einem vorgefertigten System, bei dem dünne Ziegelriemchen bereits im Werk aufgebracht werden. Die Logik der industriellen Montage bleibt dabei subtil ablesbar. Abgerundete Ecken, Rahmen aus glasierten Backsteinen und sorgfältig gesetzte Öffnungen verleihen den Häusern einen eigenständigen architektonischen Ausdruck.

Das Nebeneinander von massivem Mauerwerk und vorgefertigter Backsteinverkleidung spiegelt aktuelle Entwicklungen im Bauen wider. Statt beide Ansätze einander gegenüberzustellen, untersucht das Projekt ihr Zusammenspiel innerhalb eines Ensembles. Eine gemeinsame Materialsprache verbindet die Gebäude, während die unterschiedlichen Techniken die sich wandelnden Möglichkeiten des Bauens mit Backstein sichtbar machen.

Backstein wird damit nicht als nostalgischer Verweis verstanden, sondern als Material, das Tradition und Innovation, Dauerhaftigkeit und Montage sowie Masse und Oberfläche miteinander verbindet.

Martens Willems Architecten

Ort
Maastricht, Niederlande
Bauherr
Laudy Bouw en Ontwikkeling
Architektenprofil
Grundstückfläche
4.800 m²
Bebaute Fläche
1.740 m²
Nutzungsfläche
4.708 m²
Bauzeit
2019–2024