Newcomer-Award 2026

Ein DesignBuild-Projekt als Fundament für die Selbstständigkeit

Die Bronze-Winner beim Newcomer-Award 2023 Anna Wimberger und Rosa Modersohn haben ihre Bachelorarbeit als DesignBuild-Projekt umgesetzt – inklusive Zeitplänen, Budgetfragen, Materialentscheidungen und Teamarbeit über Kontinente hinweg. Im Interview erzählen sie, wie die Forstfarm in Uganda ihr Verständnis von Praxis geprägt hat, warum ein Backstein heute als Erinnerung in ihrem Büro steht und wie sie direkt nach dem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben – in einer Branche, die noch immer stark männerdominiert ist.

Anna Wimberger (l.) und Rosa Modersohn (r.) haben während eines DesignBuild-Projekts das erste Mal zusammen gebaut.

Eure Bachelorarbeit war ein DesignBuild-Projekt. Was war eure Erfahrung damit?

Anna Wimberger (AW): DesignBuild-Projekte sind auf vielen Ebenen besonders und bereichernd. Es ist schon fast eine Haltung, eine eigene Art zu lehren. Das Architekturstudium kann oft sehr theoretisch sein und das ganze Drumherum kommt zu kurz. Zunächst lernt man die Grundlagen des Entwerfens und Konstruierens – viele überrascht im Praktikum oder in der Berufspraxis dann die Realität des Bauens. Für uns war das DesignBuild-Projekt die Grundlage für unsere Selbstständigkeit: Wir haben schon einmal miteinander gebaut und konnten uns so eine Vorstellung des ganzen Prozesses machen. Man lernt eben nicht nur das Entwerfen, sondern auch viel über Abläufe, Finanzen, Zeitpläne und damit einhergehende Herausforderungen.

Rosa Modersohn (RM): Man lernt aber auch viel über sich selbst: sich selbst zu strukturieren, zu organisieren, für sich und seine Ideen einzustehen, aber auch Kompromisse einzugehen – insbesondere die richtige Balance dazwischen zu finden. Was noch wichtiger ist: dass man lernt, sich zu engagieren, offen zu sein für neue Sichtweisen, neue Ideen und voneinander zu lernen. Es ist eine Art, nicht nur unter den Studierenden, sondern mit allen Projektbeteiligten global gemeinsam zu denken. Die Energie und Freude im Team hat uns damals motiviert, sehr viel Leidenschaft, Zeit und auch Energie in dieses Projekt zu stecken.

Der Entwurf von Modersohn und Wimberger wurde ausgewählt, um die Forstfarm zu bauen.

Wie kam es, dass ihr direkt nach dem Studium gegründet habt?

AW: Schon während des Studiums etablierte sich der Gedanke und Wunsch danach, bis dann nach unserem Master die Anfrage aus unserem Bekanntenkreis kam, zusammen ein Einfamilienhaus umzubauen. Wir haben dann nicht lange darüber nachgedacht und es einfach gemacht. Wir haben gesagt: Lass es uns einfach probieren, was haben wir schon zu verlieren?

RM: Das DesignBuild-Projekt war die Grundlage dafür. Wir verstehen uns ohne Worte und ergänzen uns gut, das wussten wir. Wir haben uns auch bewusst beide für einen Master in München entschieden, um die Forstfarm weiter begleiten zu können, und dann auch zusammen die Masterarbeit geschrieben. Wir denken oft daran zurück, wie viel uns das Projekt gebracht hat und wie wertvoll es war, schon als Studierende an einem Projekt vom Startpunkt Null bis zur Umsetzung dabei zu sein. Der erste Backstein der Forstfarm liegt hier bei uns im Büro. Wir sehen ihn also jeden Tag – als Erinnerung an diese besondere Zeit und Erfahrung und das Projekt, aber auch als Erinnerung daran, was Architektur alles sein kann: so viel mehr als nur Häuser bauen – Freundschaften bauen, Gemeinschaft bauen, Zukunft bauen. Die Arbeit mit diesem Backstein wird für uns immer eine Art Grundstein sein. Und tatsächlich realisieren wir eines unserer Projekte auch gerade in Mauerwerksbauweise. Es begleitet uns also auf verschiedene Arten weiter.

Für die Forstfarm wurde der sogenannte „roadside brick“ verwendet.

Architektur ist noch immer männerdominiert: Wie ist es, als zwei junge Frauen ein Büro zu gründen?

RM: Leider fällt das tatsächlich immer noch auf – auch wenn laut verschiedenen Statistiken mittlerweile mehr Frauen Architektur studieren. Gerade in der Selbstständigkeit begegnen uns häufiger männliche Kollegen. Es gibt sie aber auch, die Frauen in der Branche! Das hat uns auch wieder das tolle Format, „Frauen Bauen, München“ gezeigt, das von geschätzten Kolleginnen organisiert und ins Leben gerufen wurde. Aber man muss es sich auch nicht schönreden. Es geht auch nicht nur darum, dass vor allem die Führungspositionen sehr männerdominiert sind, auch mit jeglichen Fachplaner:innen, Unternehmer:innen und Beteiligten am Bau haben wir zumindest meistens mit Männern zu tun. Umso mehr Hoffnung macht es, wenn man dann bei einer Statik-Besprechung in einer kompletten Frauenrunde sitzt. Ich glaube, man muss es auch versuchen positiv zu sehen. Wir haben so viel motivierendes Feedback bekommen, was uns anspornt weiterzumachen.

AW: Als zwei Frauen in Führungspositionen gibt es noch mehr Themen, über die man nachdenken muss: Wenn wir an Familiengründung denken, müssen wir uns absprechen. Das sollte nicht gleichzeitig passieren. Bei einem Büro, das von zwei Männern geführt wird, wäre das wahrscheinlich eher irrelevant, oder nicht? Aber wir möchten das nicht als eine Hürde sehen, die uns davon abhält, das zu machen, was wir gerne machen möchten, sondern sehen diese Diskrepanz und versuchen, das positive Feedback und die Unterstützung zu nutzen, die uns von außen – vielleicht auch gerade weil wir zwei junge Frauen sind – gegeben wird.

Die gemeinsame Arbeit an der Forstfarm hat bei Modersohn und Wimberger das Verständnis von Praxis geprägt.

Welche Chance schafft aus eurer Sicht der Newcomer-Award für Studierende?

RM: Preise dieser Art motivieren unheimlich und helfen dabei, in seinem Tun Bestätigung zu finden, also dass das, was man macht, sinnvoll erscheint.

AW: Ganz abgesehen von dem damit einhergehenden Netzwerk, das entsteht und das einen Austausch untereinander ermöglicht.