Die Dimensionen der Nachhaltigkeit
Newcomer-Award 2026

Architektur als Einladung

Jeanette Kunsmann erklärt im Interview, warum der Architekturdiskurs nicht in den Elfenbeinturm gehört, wie Architekturpreise positive Impulse schaffen und warum die schönsten öffentlichen Räume diejenigen sind, an denen man mit geschlossenen Augen Fahrrad fahren kann.

Jeanette Kunsmann ist Chefredakteurin der DETAIL und Jury-Mitglied des Newcomer-Awards beim Erich-Mendelsohn-Preis 2026 für Backstein-Architektur.
Newcomer-Award 2026

Ein DesignBuild-Projekt als Fundament für die Selbstständigkeit

Die Bronze-Winner beim Newcomer-Award 2023 Anna Wimberger und Rosa Modersohn haben ihre Bachelorarbeit als DesignBuild-Projekt umgesetzt – inklusive Zeitplänen, Budgetfragen, Materialentscheidungen und Teamarbeit über Kontinente hinweg. Im Interview erzählen sie, wie die Forstfarm in Uganda ihr Verständnis von Praxis geprägt hat, warum ein Backstein heute als Erinnerung in ihrem Büro steht und wie sie direkt nach dem Studium den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt haben – in einer Branche, die noch immer stark männerdominiert ist.

Anna Wimberger (l.) und Rosa Modersohn (r.) haben während eines DesignBuild-Projekts das erste Mal zusammen gebaut.

Sehnsucht nach haptischen Erlebnissen

„Es ist ein Haus, das das Handwerk würdigt und das die Technik gegenüber Technologie verteidigt.“ So beschreibt der Architekt Hugo Mompó das Backsteinhaus in Bétera nahe Valencia. Er verbalisiert damit eine ganze Zeitströmung: Technologische Mega-Entwicklungen wie Digitalisierung rufen immer auch Gegentrends hervor und so weckt die fortschreitende Virtualisierung ein neues Bedürfnis nach Authentizität und Haptik. In immer mehr Haushalten löst der Plattenspieler Streamingdienste ab, Siebträger den Kaffeevollautomaten und selbstgebackenes Brot die Massenware aus dem Supermarkt. Auch die Architektur reflektiert den Wunsch nach Qualität, die man im wahrsten Sinne des Wortes spüren kann, den Wunsch nach echten, regionalen Materialien.

Blockmakers Arms | Erbar Mattes | Einreichung im Rahmen des Erich-Mendelsohn-Preises 2023 für Backstein-Architektur

Nachhaltigkeit ist das langweiligste Thema der Welt.

Wenn heute von nachhaltigen Städten die Rede ist, geht es oft um Kennzahlen, Zertifikate und Regularien. Gebäude müssen „ESG-konform“ sein, Materialien eine „positive CO₂-Bilanz“ vorweisen, und jede Komponente wird in Ökobilanzen bewertet. Das klingt erstmal gut – aber selten inspirierend. Nachhaltigkeit wird zur Checkliste, zur Pflichtübung. Dabei war die Idee einmal eine andere: Nachhaltigkeit sollte Verantwortung übernehmen, Schönheit und Dauerhaftigkeit schaffen. 

Pergolenviertel (BF 5 + 6) | coido | Erich-Mendelsohn-Preis 2023 für Backstein-Architektur

Elektroinstallation auf und in der zweischaligen Wand

Die Wahl der Elektroinstallation ist genauso wenig wie die Wahl der Fassade eine rein technische Entscheidung. Ob Aufputz- oder Unterputzinstallation und welches Schaltersystem – das ist heute eine Frage des Designs. 

Auf den Spuren von Erich Mendelsohn

Im Jahr 2021 gründete sich der Erich Mendelsohn Initiative Circle mit dem Ziel, die Rolle Mendelsohns in der Geschichte der Moderne zu untersuchen sowie das Potenzial seiner Werkes zur Nominierung als Weltkulturerbe zu beurteilen. Die Mendelsohn-Expertin und Mitinitiatorin des Initiative Circles Regina Stephan erklärt, was das Werk des Baukünstlers so besonders macht.

Regina Stephan ist Professorin für Architektur- und Stadtbaugeschichte an der Hochschule Mainz. Neben der Architekturgeschichte zwischen 1850 und 1950 im Allgemeinen bildet Erich Mendelsohns Leben und Werk einen besonderen Schwerpunkt ihrer Forschungen.

Ästhetische Nachhaltigkeit in Neubauquartier

Mitten in Berlin, zwischen Wedding, Moabit und Mitte, lag lange Zeit eine Industriebrache. Heute entsteht hier die Europacity, ein neuer Stadtteil mit hochgesteckten Zielen von Nutzungsvielfalt bis Nachhaltigkeit. Zwei Gebäude stechen als Leuchtturmprojekte mit einer Auszeichnung beim Erich-Mendelsohn-Preis 2023 für Backstein-Architektur hervor.

Direkt am Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal gelegen schlägt der sanierte Kornversuchsspeicher eine Brücke zwischen Lehrter Güterbahnhof und Europacity.

Ästhetik und Technik der zweischaligen Wand

Das Nachschlagewerk schlechthin zur zweischaligen Wand ist überarbeitet: In der dritten Auflage der beliebten Verblendmauerwerk-Broschüre finden Bauherren wie Architekten – optisch ansprechend aufbereitet – alles Wissenswerte rund ums Bauen mit Backstein.

100 Jahre Backsteinexpressionismus

In einer Sonderausstellung vom 28. April bis 6. Oktober 2024 beschäftigt sich das LWL-Museum Ziegelei Lage mit dem Backsteinexpressionismus, der in den 1920er-Jahren seinen Schwerpunkt in Norddeutschland, Berlin und in den nordrhein-westfälischen Industrieregionen hatte. 

Chilehaus (1922–1924), Hamburg, Fritz Höger

Zweischalig Bauen übererfüllt Klimakriterien

In Zeiten, in denen jedes Produkt von sich behauptet, nachhaltig zu sein, braucht es objektive Kriterien, an denen sich Verbraucher bei ihrer Kaufentscheidung orientieren können. Im Bauwesen basiert die Neubauförderung der Bundesregierung daher auf quantifizierbaren Kriterien wie dem Primärenergiebedarf und Treibhauspotenzial. Eine Studie kam jüngst zum Ergebnis, dass zweischaliges Mauerwerk den Nachhaltigkeitskriterien nicht nur entspricht, sondern diese teilweise sogar übererfüllt.

Atelierhaus | Axel Steudel Architekten | Einreichung im Rahmen des Erich-Mendelsohn-Preises 2023 für Backstein-Architektur