Bereits in der Antike bauten die Römer mit Backstein, zum Beispiel die Prätorianerkaserne in Rom. Jedoch bevorzugten die Römer zunehmend Bauten aus Marmor und vernachlässigten den markanten Baustoff.
Erst im Frühmittelalter kam die Backsteinbauweise in Europa wieder vermehrt auf und wurde im Hochmittelalter verstärkt vorangetrieben. In schnell wachsenden Städten und Handelszentren konnte man die traditionelle Baukunst wieder öfter entdecken. Aber auch besonders dort, wo es an anderem geeignetem Steinmaterial für Häuser mangelte, wurden Gebäude mit Backstein errichtet.
Der Bauboom zu Beginn des 17. Jahrhunderts von barocken Schlössern und Klöstern führte zu einem großen Bedarf an Baustoffen. Nicht nur die Produktion von Backstein stieg an, auch das Herstellungsverfahren wurde weiterentwickelt und mündete zur Zeit der Industrialisierung schließlich in eine Massenproduktion. Das Besondere in dieser Epoche war die kunstvolle Verwendung des Backsteinbaus in der Fabrikarchitektur. Ungefähr ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Baustoff auch im Bereich der Wohnarchitektur mit nach außen sichtbarer Form eingesetzt. Der Backstein mit seiner ästhetischen Qualität wurde letztlich en vogue.
Nach wie vor gehört Backstein zu den beliebtesten Baumaterialien beim Hausbau, denn neben einem gutem Aussehen ist er auch robust, wetterfest und energiesparend. Vor allem im Norden und Westen Deutschlands dominieren bis heute rote Backsteinfassaden das Bild vieler Städte. In den vergangenen gut 20 Jahren hat sich der Baustoff mit seinen schier unendlichen Ausdrucksmöglichkeiten endgültig einen Spitzenrang in der zeitgenössischen Architektur – und auch in der Avantgarde-Architektur – erobert.