Seit Jahrtausenden bauen die Menschen mit Backstein. In den vergangenen zwei Dekaden aber hat der Stein zu einem völlig neuen Selbstbewusstsein gefunden. Er besinnt sich einerseits auf seine große Tradition, die Architektur wirkt andererseits zukunftsgewandter denn je. Ein Grund: Backstein wird heute wieder sehr viel bewusster eingesetzt. Architekten verleihen ihren Gebäuden mit ihm ganz explizit gestalterische Qualität und Einzigartigkeit. Und das weltweit.
Ästhetische Qualität
Dabei ist prinzipiell erlaubt, was aus ästhetischer und funktionaler Sicht geht. Und was heute alles geht, das ist alle drei Jahre eindrucksvoll beim Preis für Backstein-Architektur zu sehen: Ein im Stile des Backsteinexpressionismus gehaltener Banken-Neubau in Bremen, ein Wohnhaus im argentinischen Rosario mit auffälligen Fassadendurchbrüchen, die nachts das Haus wie eine Laterne leuchten lassen – nur zwei außergewöhnliche Beispiele architektonischer Qualität, die das gestalterische und ästhetische Potenzial des Baustoffs Backstein dokumentieren. Höchste Handwerkskunst bis ins Detail und einfallsreiche Entwürfe gehen eine fruchtbare Symbiose ein und setzen neue Maßstäbe für zeitgemäßes Bauen.
Ähnlich kreativ gehen die Baumeister mit dem Farbenreichtum heutiger Backsteine um. Das Spektrum reicht von leuchtendem Weiß über kräftiges Orange, Rubinrot, Graphitgrau bis zu samtigem Schwarz – von den zahlreichen Schattierungen und Zwischentönen ganz zu schweigen. Ob ein Backstein besandet oder bestrahlt wird, ob er bedampft oder mit genarbten Walzen bearbeitet wird, entscheidet zudem über seine spezielle Haptik. Nicht zuletzt bestimmen die Formate der Steine, die Fugen und der Mauerverband mit darüber, ob ein Haus rustikal, modern oder expressiv daherkommt.