Spiel mit Licht, runde Ecken aus Backstein: Was ist das Besondere am Umgang Mendelsohns mit verschiedenen Baumaterialien?
Seine Entwürfe – Handskizzen in 6B-Bleistift – wurden durch exzellente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Baupläne übertragen. Ziel war immer, die Grenzen des Baubaren auszureizen. Nehmen Sie die eleganten, nach oben hin verjüngten Bogenbinder aus Stahlbeton in Luckenwalde, die Tragkonstruktion des Columbus-Hauses in Berlin mit dem Wechsel der Position der innenstehenden Stahlstützen in die Fassade, wodurch stützenfreie Büros entstanden, die dünnen Stahlstützen beim Russel-Haus, die sich nach vorne verjüngenden Balkone des Maimonides Hospitals in San Francisco. Sie sind gelungene konstruktive Wagnisse. Als Ostpreuße, der im Angesicht der Deutschordensburg in Allenstein aufwuchs, war ihm Backstein ein vertrautes Material. Gleichwohl verwendete er das Material auf eine ganz andere, innovative Weise, die zeigt, dass er z. B. Olbrichs Darmstädter Hochzeitsturm kannte und schätzte. Sein bedeutendster Bau in Backstein ist sicherlich die Hutfabrik in Luckenwalde, wobei dort der Backstein eigentlich nur die Füllmauern zwischen der Tragkonstruktion aus Stahlbeton bildet. Wie Mendelsohn diese gestaltet und zu expressiver Form führt – denken Sie an die vorkragenden Gebäudeecken und Sohlbänke – ist ganz neu und, soweit ich sehe, ohne Vorbild.
Mendelsohns Handskizzen sind legendär. Es heißt, er habe die Inspiration für seine Entwürfe aus Natur, Kunst, Musik und Philosophie …
Es gibt ein Foto von Mendelsohns Schreibtisch, auf dem Schneckenhäuser zu sehen sind, Naturwunder der Konstruktion. Wir kennen seine Skizzen, auf denen die Musikstücke stehen, zu denen er gezeichnet hatte, seine Schallplattensammlung, die Bücher, die er las und kommentierte. Es war ein ganzes Bündel an Inspirationsquellen, die zu seinen Entwürfen führte. Manchmal – oft – sind die Skizzen auch ohne Bezug auf ein Bauprojekt entstanden, einfach Studien zu einem Objekt, das ihn reizte, zu Musik, die ihn inspirierte.