Nur wer die Dinge sorgsam gestaltet, sie ästhetisch und funktional wertvoll macht, sorgt dafür, dass sie langfristig bestehen. Und damit für Häuser, die bleiben, und Orte, in denen Menschen sich wirklich zu Hause fühlen. Heute scheint diese Dimension in der Flut aus Taxonomien, Labels und Kompensationsprogrammen zu verschwinden. Sicher, Energieeffizienz und Emissionsreduktion sind unverzichtbar. Doch wenn wir Nachhaltigkeit allein technisch denken, verlieren wir das, was sie lebendig macht: Identität, Authentizität, Charakter. Menschen wollen Häuser, die nicht nur nach Zahlen geplant sind, sondern Lebensräume mit Geschichte und Atmosphäre.
Nur was Wohlbefinden schafft, kann wirklich dauerhaft bestehen. Ein Haus aus Backstein etwa erzählt von Beständigkeit und Herkunft: Werte, die bleiben, wenn Zertifikate veralten. Vielleicht ist Nachhaltigkeit nicht langweilig – sondern nur falsch erzählt.
Die falsche Erzählung der Nachhaltigkeit
Der Begriff der Nachhaltigkeit, schrieb der Philosoph Norbert Bolz bereits 2015, werde „inflationär über alle möglichen Zusammenhänge gestülpt und in den absurdesten Kombinationen benutzt, um zu signalisieren: Ich bin ein guter Mensch.“ Tatsächlich ist Nachhaltigkeit heute weniger ein klar definierter Maßstab als ein moralisches Etikett. Sie steht auf Kaffeebechern, Firmenwebseiten und Bauprojekten und vermittelt oft nur den Anschein von Substanz. Diese Überdehnung hat Folgen: Statt Begeisterung weckt Nachhaltigkeit häufig Skepsis. Zu viele Labels, zu viele Versprechen und zu viele Enttäuschungen.