Kindertagesstätte St. Philipp Neri
pressel & müller architekten
Materialkanon als kindliches Erfahrungsfeld
Die Kindertagesstätte im Innenhof eines gründerzeitlichen Wohnblocks in Frankfurt-Höchst ist als sternförmiges Gebäude konzipiert. Ein zweigeschossiges Foyer dient als zentraler Versammlungsplatz, von dem aus sich die Gebäudeflügel mit Gassen erschließen. Mit den Gartenmauern der umgebenden Wohnhäuser wird das Gebäude zum Hofhaus. Ringsum liegen kleine und große Spielhöfe für die Kinder. Die Backsteinfassade mit Rautenmuster knüpft an den industriellen Architekturstil der Umgebung an.
Die städtische Kindertagesstätte wurde inmitten eines gründerzeitlich geprägten, lebendigen Wohnblocks im Frankfurter Westen am alten Industriestandort Höchst errichtet. Ihre geschützte Lage verdankt sie dem früher gewerblich genutzten Innenhof, der ein unkonventionelles polygonales Baugrundstück freigab. Nur durch eine Einfahrt von der Straße her zugänglich, wird das Areal von hoch aufragenden Wohnhäusern gesäumt.
Die zufällig entstandene Form wurde in den Entwurf aufgenommen, dem ein unregelmäßiges und am westlichen Flügel ineinander geschobenes Kreuz zugrunde liegt. So konnte die größtmögliche Nutzung der Parzelle erreicht werden. Der strukturierte Innenhof hält weiträumige und abwechslungsreiche Außenräume bereit. Durch die markante plastische Gliederung der Gebäudeflügel ergeben sich für jede der sechs Gruppen der U3-Kindertagesstätte kleine intime Spielhöfe, die unmittelbar von den Innenräumen aus zu erreichen sind.
Von der Straße aus gelangt man in den mit Pflasterklinkern gestalteten großzügigen Eingangshof, der im Zusammenspiel mit der hellen Klinkerfassade eine Piazza für Ankunft, Aufenthalt und Abschied von Kindern und Eltern bereitstellt. Das von der Gebäudehülle auf den Innenhof übergehende einheitliche Material betont den Ensemblecharakter. Der städtische Maßstab wird von hier aus und schrittweise weiter im Gebäude auf den für die kleinen Nutzer passenden Maßstab skaliert.
Die kreuzförmige Anordnung ergibt im Gebäudeinneren ein zentrales zweigeschossiges Foyer, das mit einem angrenzenden Saal räumlich verbunden werden kann und Platz für Veranstaltungen aus der Nachbarschaft und dem Stadtteil bietet. Die lichtdurchfluteten Flügel des Gebäudes nehmen die Gruppen- und Funktionsräume auf. Sie gewähren weiträumige Ausblicke in das abwechslungsreiche Gelände. Der reduzierte Materialkanon aus Lärchenholz, Sichtputz, Keramik, Bronzeblech und Linoleum nimmt sich zurück und stellt zugleich ein sinnliches Erfahrungsfeld für die Kinder bereit.
Die Außenwände des in Massivbauweise errichteten Gebäudes wurden mit hellen Wasserstrich-Klinkern verblendet. Ihre lebhafte Textur ergänzt die Geradlinigkeit des gesamten Entwurfs. Die mit einem Rautenmuster gefasste zweifarbige Fassade stellt eine dezente Referenz sowohl an den Expressionismus der nahe gelegenen ehemaligen Farbwerke Hoechst als auch die das Stadtbild prägende Trivialarchitektur dar. Den Eingang prononciert spielerisch eine Inversion des Rautenreliefs.
Freundlich und unaufgeregt leuchtet die Kindertagesstätte in der uneinheitlichen Hoflandschaft aus Gartenmauern und -zäunen und den umliegenden Wohnhäusern. Erstklassig gestaltet vermittelt das Gebäude Wertschätzung und das Gefühl, in der Stadtgesellschaft willkommen zu sein. Nachhaltig sind Neubauten im städtischen Bestand, wenn sie starke räumliche Zusammenhänge und dauerhaft die Aufwertung ihrer Umgebung schaffen und somit lange Zeit für unterschiedliche Nutzungen mit geringer Instandhaltung zu Verfügung stehen.
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