Church of the Holy Spirit in Pegognaga

LR-ARCHITETTI

Church of the Holy Spirit in Pegognaga, near Mantua

Wie ein durchscheinendes Manuskript

Der Entwurf der neuen Kirche in Pegognaga entwickelt das Konzept des architektonischen Palimpsests: Ziel war es, einige Spuren der abgerissenen alten Kirche zu bewahren und eine angemessene Maßstäblichkeit sowie Orientierung sicherzustellen. Eine Mauer umschließt das aufragende, giebelständige Volumen des Pfarrsaals in der historischen Kleinstadt. Das Mauerwerk interpretiert Elemente der traditionellen Scheunenarchitektur neu. Das Dach ist mit poliertem Metall verkleidet. So fügt sich das gesamte Projekt mit eigener Individualität in seine Umgebung ein.

Die neue Kirche des Heiligen Geistes in Pegognaga bei Mantua ist das Ergebnis eines Wettbewerbs aus dem Jahr 2015. Sie ersetzt die frühere Pfarrkirche, die beim Erdbeben von 2012 beschädigt wurde. Die zentrale Entwurfsidee besteht darin, Spuren der abgerissenen Kirche zu bewahren. Der neue Saal nimmt den Platz des ehemaligen Querschiffs ein, während das alte Langhaus zu einem neuen Gartenhof wird. Das Projekt gewährleistet eine angemessene Maßstäblichkeit und Orientierung in der historischen Kleinstadt. Das Gebäude besetzt das Grundstück durch eine Backsteinmauer, aus der das giebelständige Volumen des Saals hervortritt. Das stahlgerahmte Satteldach ist außen mit brünierten Zink-Titan-Platten verkleidet. So fügt sich der Bau mit eigener Individualität in seine Umgebung ein.

Die Hauptfassade geht auf einer Seite in einen niedrigen Baukörper mit Flachdach über. Dieser Sockelbereich umschließt den Hauptsaal sowie weitere Räume für Gemeindetätigkeiten. Er ist mit einer Mischung aus alten und neuen Ziegeln in unterschiedlichen Farbtönen von Terrakotta bis Dunkelrot verkleidet. Das Mauerwerk erinnert an die Außenwand einer benachbarten Villa aus dem 17. Jahrhundert. Die Fassade knickt zum Hauptportal hin in einen abgesenkten Raum ab. Dieser bietet Schutz und markiert das westliche Ende des zentralen Stadtplatzes. Traditionelle Ziegellattungen verbergen die wenigen Öffnungen zur Straße. Eine Nische in der Wand versteckt das Fenster der eucharistischen Kapelle und bildet zugleich eine Sitzbank für den hinteren Gartenhof.

Der Pfarrsaal ist ein freier Zentralraum. Schlanke, terrakottafarbene Betonstützen und raumhohe Öffnungen verlaufen entlang des oberen Umfangs. Hohe Fenster umgeben drei Seiten des Saals und streuen das sich im Tagesverlauf verändernde Licht. Vier Reihen hängender Röhrenleuchten strukturieren den Innenraum. Gerillte Beton-Akustikpaneele verkleiden die Innenflächen. Ein „Teppich“ aus rosafarbenem Lessinia-Stein verbindet den Außenbelag mit dem Boden des Saals. Die Oberfläche ist im vorderen Kirchenhof rau und im Innenraum poliert. Bodenausgrabungen brachten eine komplexe Schichtung antiker Kultbauten zutage. Drei Einschnitte im Boden machen ausgewählte Bereiche sichtbar. Zu besonderen Anlässen werden sie geöffnet und zeigen den direkten Dialog zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Ansonsten markieren gefräste Profile im Steinboden die freigelegten Reste. Das liturgische Mobiliar besteht aus demselben Steinmaterial. Die Gestaltung von Altar und Tabernakel integriert Spolien aus der alten Pfarrkirche. Weitere Möbel, wie Bänke und Sitzgelegenheiten, sind – wie die Fensterrahmen – aus lackiertem Eschenholz gefertigt.

An der Rückseite des Chorraums befindet sich das Mosaik „Erde“ als Symbol für „Wiedergeburt–Auferstehung“. Es ist von den oberen Stützen zurückgesetzt und wird durch ein verborgenes Oberlicht beleuchtet. Verwendet wurden Ziegelfragmente der abgerissenen Kirche sowie Goldfliesen. Die Komposition ist auf einer geneigten Wand nach der römischen Technik des opus scutulatum angeordnet. Im Seitensaal zeigt eine Dauerausstellung mittelalterliche Spolien aus den Ausgrabungen. Kleine Kultobjekte und Keramikfragmente sind in einer Vitrine innerhalb der Wand ausgestellt. Ein Rahmen aus brüniertem Metall fasst geformte Ziegel und Bodenfliesen (Esagonette).

LR-ARCHITETTI

City
Pegognaga, Italien
Client
Parish of Pegognaga, Diocese of Mantua
Architect profile
Plot size
5.490 m²
Built-up area
1.145 m²
Usable area
1.017 m²
Enclosed volume
8.381 m³
Construction time
2018–2022