Hotel Leo

Boltshauser Architekten

Hotel Leo

NACHHALTIG IN DIE HÖHE GEKLETTERT

Der Hotelneubau setzt einen neuen Hochpunkt am Rand der St. Galler Innenstadt. Seine grünliche Backsteinfassade vermittelt zwischen Alt und Neu, während natürliche Materialien und eine flexible Gebäudestruktur nachhaltige Nutzung ermöglichen.

Der siebengeschossige Neubau setzt einen Hochpunkt an der Grenze zur St. Galler Innenstadt. Der schmale Baukörper steht mit möglichst viel Abstand zur alten Villa, so dass dazwischen ein Außenraum mit öffentlichem Charakter entsteht. Die Fassadengestaltung des Backsteinbaus reagiert situativ auf das bauliche Umfeld. Auf der langen Nordseite schafft die vertikale Gliederung einen Bezug zur Eckquaderung der gegenüberliegenden Villa Wiesental und betont die Nutzung des Erdgeschosses, das über mehrere Türen eine Verbindung zum Platz aufweist. Diese wird unterstrichen durch die Begrünung der Fassade mit Kletterpflanzen und den Erhalt der alten, mächtigen Linde. Der obere Fassadenbereich, wo sich über der Firsthöhe der Villa der Blick über die Stadt öffnet, ist kontrastierend horizontal gegliedert. 

Die Backsteine haben einen grünlichen Farbton, in Anlehnung an die Farbigkeit der Steinmetzarbeiten aus Bollinger Sandstein bei der Villa. Das Materialkonzept des Gebäudes zielt darauf ab, die natürlichen Farben und Oberflächenstrukturen unbehandelter Materialien miteinander in Beziehung zu setzen. Dadurch entsteht eine spannende Kombination aus rohem, ungebranntem Erdmaterial, gebranntem Backstein, Stahl, Holz und feiner Bettung.

Im Erdgeschoss des Hotels befindet sich eine Bar mit integrierter Rezeption und einem räumlich offenen Restaurant. Im darunterliegenden Sockelgeschoss sind Seminarräume und ein Co-Working-Bereich untergebracht. In den Obergeschossen finden insgesamt 102 Hotelzimmer Platz, und im Attikageschoss ist ein kleiner Wellnessbereich mit Zugang zur Außenterrasse. Das Tragwerk des Gebäudes wurde realisiert als Skelettbau aus Flachdecken und vorfabrizierten Betonstützen und wird durch die Erschließungskerne stabilisiert. Alle anderen Innenwände sind nichttragend, so auch diejenigen aus ungebrannten Presslehmsteinen. In den öffentlichen Räumen im Eingangsbereich und in den Zimmergeschossen wurden Terrabloc-Lehmsteine verbaut. Die offenporigen Blöcke regulieren die Feuchtigkeit und sorgen so für ein angenehmes Raumklima. Sie bestehen aus Aushubmaterial aus der Umgebung der Produktionsstätte, womit im Vergleich zu konventionellen Materialien große Einsparungen an Grauenergie erreicht wurden. Der Innenausbau der Zimmer ist auf das Essenzielle reduziert, die rauen Oberflächen der Lehmsteine und die rohen Betondecken werden ergänzt durch Glasbausteine, dunkles Parkett und schlichte Einbaumöbel.

Die Nachhaltigkeit ist umfassend gedacht: Das beginnt bei der Verdichtung des Grundstücks mit einem Neubau und geht über die Schaffung eines neuen, öffentlichen Außenraums im Quartier sowie den Einsatz atmungsaktiver und CO2-armer Materialien wie ungebrannten Lehmsteinen bis zum Anschluss beider Bauten an ein Fernwärmenetz. Entscheidend dabei bleibt, dass das Gebäude am Ort und von den Nutzer: innen angenommen wird sowie über mehrere Dekaden bestehen und, falls nötig, flexibel umgeformt werden kann.

Boltshauser Architekten

City
St. Gallen, Schweiz
Client
Pensionskasse Stadt St. Gallen
Plot size
1.623 m²
Built-up area
495 m²
Usable area
5.048 m²
Construction time
2018–2023

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