Ein Monolith als Lückenschluss

DMSW Architektur Stadt Landschaft

Ein Monolith als Lückenschluss

DIE STADT ZUENDE GEDACHT

Auf einem als unbebaubar geltenden Grundstück in Neukölln schließt ein markanter Backsteinbau den Blockrand. Seine besondere Kubatur übersetzt komplexe Vorgaben in eine prägnante architektonische Figur.

Das Gebäude entstand auf einem als unbebaubar geltenden Grundstück in Berlin-Neukölln, das durch veraltetes Baurecht als Straßenfläche ausgewiesen war. In enger Abstimmung mit der Stadtplanung wurde eine Befreiung erteilt. Städtebauliche Vorgaben, der straßenseitig auf dem Grundstück liegende öffentliche Abwasserkanal und Brandschutzanforderungen führten zu der markanten Gebäudekubatur, die nun einen Vorplatz fasst, den Blockrand schließt und den zuvor fragmentierten Stadtraum neu ordnet.

Das Projekt übersetzt komplexe Rahmenbedingungen in eine prägnante architektonische Figur. Die helle Klinkerfassade des monolithischen Baukörpers zieht sich in die Fensterlaibungen und macht die Fassade zum nutzbaren Raum. Durchgesteckte Wohnungen mit flexiblen Grundrissen und großzügigen Loggien sowie vielfäl- tige gemeinschaftliche Freiräume verbinden funktionale Qualität mit räumlicher Großzügigkeit. So entsteht eine eigenständige, langlebige Architektur mit hohem baukulturellem Anspruch.

Der Vorplatz bildet einen Eingangsbereich mit Fahrradstellplätzen. Der vollständig entsiegelte Gartenhof greift mit Moosflächen und schattenliebenden, heimischen Pflanzen die Atmosphäre des benachbarten Denkmalhofs auf und fördert die Biodiversität. Der Dachgarten ist in Nutzungszonen gegliedert, die standortangepasste Bepflanzung benötigt keine künstliche Bewässerung. Retentionsboxen und Rigolen ermögli- chen Regenwasserspeicherung und vollständige Versickerung auf dem Grundstück. 

In enger Zusammenarbeit aller Fachplaner wurde ein ressourcenschonendes Lowtech-Konzept realisiert, das robust, wirtschaftlich und klimaschonend ist. Mit nur 24 kWh/m²a End-, 27 kWh/m²a Primärenergiebedarf und 11 kg/m²a CO₂-Emissionen erfüllt es die KfW-40- Werte. Die Wärmeversorgung erfolgt zu 90 Prozent über mit Ökostrom betriebene Wärmepumpen, ergänzt durch regenerative Fernwärme. Wärmerückgewinnung, passiver Sonnenschutz und Nachtauskühlung sichern ein angenehmes Raumklima ohne aktive Kühlung. 

Das Projekt basiert auf einer engen Kooperation zwischen Baugemeinschaft, Architekturbüro, Fachplaner: innen, Behörden und ausführenden Firmen. In gemeinsamen Abstimmungsprozessen wurden städtebauliche, technische und wirtschaftliche Herausforderungen gelöst. Durch Einzelvergaben, transparente Kostenmodelle und partizipative Entscheidungsstrukturen entstand bezahlbarer Wohn- und Arbeitsraum in hoher Qualität. Das skalierbare Modell steht für eine gemeinschaftsgetragene Planungskultur. Bauen in der Gemeinschaft spart bis zu 30 Prozent der Wohnkosten gegenüber vergleichbaren Immobilien auf dem konventionellen Markt. Trotz hoher Grundstückskosten wurde kostengünstiger Wohn- und Büroraum geschaffen. Auf 586 Quadratmeter Grundstück entstanden 1.380 Quadratmeter Nutzfläche. Durch effiziente Planung und Zusammenarbeit lagen die Bauwerkskosten bei 2.465 Euro pro Quadratmeter und die Gesamtprojektkosten bei 5.240 Euro pro Quadratmeter Nutzfläche. Die Betriebskosten fallen durch die gewählte Energieversorgung ebenso moderat aus.

DMSW Architektur Stadt Landschaft

City
Berlin, Deutschland
Client
Baugemeinschaft Mittelweg 8 GbR
Plot size
586 m²
Built-up area
324 m²
Usable area
1.516 m²
Enclosed volume
7.328 m³
Construction time
2018–2022
Construction costs
4.7 Mio.€

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