Erweiterung Kaiserin-Augusta-Schule

ZILA

Erweiterung Kaiserin-Augusta-Schule

IN DER FUGE LIEGT DIE KRAFT

Die heterogene Struktur der Kölner Innenstadt, geprägt durch das Nebeneinander unterschiedlicher Bauzeiten, Maßstäbe und Materialien, bestimmt unser Bild der Rheinmetropole. Auch die Kaiserin-Augusta-Schule im Georgsviertel ist Ausdruck dieser Vielfalt. Der Bau aus den 1950er-Jahren wurde bereits in den 1960er-Jahren um ein formal eigenständiges Gebäude erweitert. Zur Umsetzung des aktuellen pädagogischen Konzeptes des städtischen Gymnasiums war ein zusätzlicher Erweiterungsbau erforderlich.

Im Zuge der Konzeption der Schulerweiterung sollte auch das Georgsviertel städtebaulich geordnet werden. Eine zusätzliche Dimension erhielt der Ort durch den Einsturz des Kölner Stadtarchivs an der Severinstraße am 3. März 2009. Bei dem für die Stadt einschneidenden Ereignis gingen bedeutende historische Bestände verloren, zwei Menschen kamen ums Leben. Unser städtebaulicher Ansatz zielte darauf ab, die fragmentierten Blockränder zu ergänzen und zu verdichten. Der Blockrand wurde dabei als robustes Prinzip verstanden, das klare öffentliche Räume schafft und eine Mischung unterschiedlicher Nutzungen ermöglicht. An der Einsturzstelle markiert eine neue Quartiersdurchwegung den Ort des Geschehens, ohne eine offene Leerstelle zu hinterlassen.

Die Erweiterung der Schule ist Teil dieser Nachverdichtung. Ein neuer Südflügel rückt an den Blockrand, fasst einen geschützten Pausenhof und bildet zugleich eine klare Raumkante zur Durchwegung, von der die Aula der Schule sowie die zukünftige Sporthalle erschlossen werden. Von Anfang an stand fest, ein Haus aus rotem Backstein zu bauen. Backstein ist ein Fassadenma- terial, dem man in Köln häufig begegnet, auch am bestehenden Gebäude der Kaiserin-Augusta-Schule am Georgsplatz. Es wurde ein westfälischer Wasserstrichziegel im Normalformat gewählt, in traditioneller Weise auf der sogenannten Petersenpresse hergestellt, der durch seine handwerkliche, individuelle Form, Farbe und Oberfläche überzeugte. Das homogene Fassadenkleid unterstreicht das geordnete Fensterraster und verleiht dem Baukörper eine ruhige, zusammenhängende Wirkung.

Gleichzeitig wird diese Ordnung durch differenzierte Details subtil aufgebrochen. Wechselnde Fugenraster orientieren sich sowohl an Klinker- als auch an Fliesenfassaden der Nachbarschaft und verankern das Gebäude im heterogenen Kontext. Einfache Läuferverbände als sinnbildliche Art der Steinschichtung markieren die massiv gemauerten Fassadenbereiche, während die auf Kreuzfuge hochkant gedrehten Läuferflächen auf eine Bekleidung mit Klinkerriemchen auf den großformatigen Stürzen aus Stahlbeton-Fertigteilen hinweisen. Die hellen Mörtelfugen verleihen der massiven Backsteinfassade eine überraschende Leichtigkeit, die je nach Lichteinfall variiert und dem Bau eine fast textile Anmutung gibt. So entsteht ein Fassadenbild, das zwischen Homogenität und Differenzierung vermittelt und die Vielschichtigkeit des Ortes aufnimmt. 

Trotz klarer Struktur war uns auch im Inneren eine gezielte Differenzierung wichtig. Der C-förmige Grundriss erzeugt durch Wechsel von Aufweitung und Verdichtung vielfältige Raumsequenzen und identitätsstiftende Orte. Maßstab, Material und Farbgebung sind auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler abgestimmt. Der im Erdgeschoss verlegte Spaltklinker im gleichen Format schafft eine Verbindung zum Wasserstrichziegel der Fassade. Sein durchlaufendes Kreuzfugenraster verweist auf das oktametrische Maßsystem als Ordnungsprinzip des gesamten Gebäudes.

ZILA

City
Köln, Deutschland
Client
Gebäudewirtschaft der Stadt Köln
Architect profile
Plot size
13.748 m²
Built-up area
1.845 m²
Usable area
3.888 m²
Construction time
2020–2023

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2026