Het Steen Antwerp
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Ein Echo der Jahrhunderte
Die Erweiterung und Restaurierung der mittelalterlichen Burganlage Het Steen in Antwerpen verbindet unterschiedliche Zeitschichten und stärkt das Bauwerk als historischen Ort, Passage sowie städtisches Wahrzeichen.
Denkmäler sind eine Form ursprünglicher Struktur in der Stadt. Sie prägen unser kollektives Gedächtnis sowohl physisch als auch mental. Veränderungen an Denkmälern sind ein sensibles Thema. Dabei ist von Bedeutung, dass Menschen emotional davon berührt werden, wie sich ihre Stadt verändert. Als Architektinnen und Architekten sind wir stets daran interessiert, mit dem Vorhandenen und am Vorhandenen weiterzuarbeiten. Wir ziehen Kontinuität dem Kontrast vor. Wir glauben weniger an „Rückkehr“ oder „Bruch“, sondern bauen auf dem auf, was bereits da ist. Die Auseinandersetzung mit dem Original ist immer komplex, mitunter verwirrend und gerade deshalb höchst interessant. Die bewegte Baugeschichte von Het Steen bildet die Grundlage des Entwurfs. Nachdem der Gebäudekomplex über Jahrhunderte Teil der Stadtbefestigung gewesen war, erhielt er um 1890 infolge der Begradigung der Schelde den Charakter eines freistehenden Bauwerks.
Um den starken Charakter der freistehenden Burg, wie er im 19. Jahrhundert geschaffen wurde, wiederherzustellen, ersetzten wir den Anbau aus den 1950er-Jahren, der sich in diese Erzählung nicht einfügte. Dadurch bot sich die Möglichkeit, die unterschiedlichen Aspekte – Geschichte, Passage und Wahrzeichen – zu stärken. Wir schaffen ein Gebäude, in dem verschiedene Zeitschichten miteinander in Einklang gebracht werden. Die typischen Merkmale einer Burg – steinerne Mauern mit Öffnungen, Erker, Nischen, ansteigende und abfallende Trauflinien sowie Türme – bilden die Elemente einer zeitgenössischen Erweiterung.
Die Verwendung von Backstein betrachteten wir als zentral für den architektonischen Dialog mit dem Bestand. Die Farbtöne der Fassaden leiten sich dabei von der Natursteinpalette der historischen Burgmauer ab. Der Farbverlauf – von einem dunkleren Sockel zu helleren oberen Schichten, als Echo auf die über Jahrhunderte entstandene Materialvielfalt und Patina – wurde gemeinsam mit dem Künstler Pieter Vermeersch durch eine sorgfältige Auswahl der Ziegel und Tests im Maßstab 1:1 entwickelt. Das Backsteinmauerwerk wird bei wesentlichen Bauteilen wie Fensterrahmen und Traufen mit Architekturbeton kombiniert, während integrierte Baukörper die zeitgenössische Haustechnik aufnehmen. Auf der Ebene des Kais reagiert die stärker geschlossene Fassade zugleich auf die Anforderungen des Hochwasserschutzes im Rahmen des Sigma-Plans.
Die Innenräume sind durch zurückhaltende Materialien geprägt: Backsteinwände sowie Böden aus Naturstein oder Holz. Großzügige Treppen verbinden die verschiedenen Bereiche miteinander. Traditionelle Elemente wie Kamine und Erker schaffen eine feine, intime Atmosphäre und ermöglichen zugleich die unkomplizierte Integration zeitgenössischer technischer Anlagen. Die Fenster rahmen die eindrucksvollen Ausblicke, während die Fensterbänke dazu einladen, Platz zu nehmen und den Blick schweifen zu lassen.
Het Steen dient heute als touristisches Empfangsund Besucherzentrum. Im historischen Teil werden die lange, vielschichtige Geschichte und der Charakter der Stadt am Fluss vermittelt. Im Erweiterungsbau befinden sich im unteren Bereich eine Abfahrtshalle für Kreuzfahrten, die zugleich als multifunktionaler Saal genutzt werden kann. Am Haupteingang setzt sich der Empfangsbereich im ersten Obergeschoss fort. Das Dach bildet eine öffentliche Dachterrasse, die sowohl von innen als auch über den Turm zugänglich ist und eine öffentliche Verbindung zur historischen Uferpromenade Noorderterras bietet. Das Gebäude ist auf langfristige Nutzung ausgelegt. So wie sich seine Funktion im Laufe der Zeit immer wieder verändert hat, wird auch die Geschichte von Het Steen mit diesem Umbau nicht zu Ende sein.
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