Haus am Buddenturm

Hehnpohl Architektur

Haus am Buddenturm

Komplexe Modernität

Mit spielerischer Leichtigkeit meistert das Haus am Buddenturm den Übergang von der Vergangenheit in die Moderne. Hervorstechendstes Merkmal: die Staffelung der Fassade.

zitat hehnpohl architektur

Der Buddenturm ist eines der letzten verbliebenen, prägnant sichtbaren Zeichen der ehemaligen Stadtbefestigung von Münster. Ganz in der Nähe hat das ortsansässige Architekturbüro hehnpohl architektur bda ein neues Wohnhaus errichtet. Auf den ersten Blick erscheint das Haus am Buddenturm wie eines der historischen Giebelhäuser der unmittelbaren Nachbarschaft. Erst das Spiel mit Fluchtpunkten, Staffelungen und Kupferelementen verrät seine komplexe Modernität.

Die Fassade des monolithisch wirkenden Baukörpers leitet sich aus den Fluchten der angrenzenden Häuserzeilen sowie der Bauflucht der eigenen Grundstücksgrenze ab. Nach oben hin fächern sich die Geschosse über die eigentliche Grenze hinaus auf. Das vergrößert nicht nur die Wohnfläche, sondern schlägt eine Brücke zur Moderne: Die Inspiration der Kraggeschosse liegt in Lyonel Feiningers Werk „Die Stadt am Ende der Welt“ der 1920er-Jahre und zeigt eine ähnliche kollektiv verankerte Typologie von städtischer Maßstäblichkeit. Das Haus ist über vier Geschosse organisiert. Im Erdgeschoss befinden sich das Entrée, ein Multifunktionsbereich, der Innenhof und die Garage. Im ersten Obergeschoss folgen der Wohn- und Essbereich, die Küche und eine Dachterrasse mit Blick auf die Observantenkirche. Darüber befinden sich ein weiterer Wohnbereich sowie die Schlaf- und Arbeitszimmer mit Bädern.

Die Fassadensprünge finden sich in den Öffnungen zur Straße wieder: Im ersten Obergeschoss ist das Fenster ein nach innen gestülpter Erker. Von hier aus haben die Bewohner Sicht auf den Buddenturm. Auch im zweiten Obergeschoss ermöglicht eine großzügige Fensteröffnung Ausblicke. Weitere Brüche schaffen die Architekten in der Fassadengestaltung durch die puristische Gestaltung der Öffnungen. Im Erdgeschoss verkleiden Kupferpaneele Garagentor und Hauseingang. Sie verwehren Einblicke ins Innere des Hauses, spiegeln aber die Umgebung wider. Beim Fassadenmaterial griffen die Architekten auf den für die Münsteraner Altstadt typischen Ziegel zurück. Bei den kohlegebrannten Handformziegeln aus dem Ringofen gab es keinen Verschlag, um die Ursprünglichkeit des Materials zur Geltung zu bringen. Nach dem Vermörteln wurde die Fassade lediglich mit dem Besen gereinigt; so blieben die Spuren des Handwerks erhalten. Der Innenraum ist geprägt von Sichtbeton an Wänden und Decken, sowie von geölten Eichendielen am Boden. Fest engagiert in diesem spannungsreichen Ensemble ist das Licht: Im Bereich des Treppenraumes fächert sich das Haus geschossweise zunehmend zum Tageslicht auf, das durch Dachverglasungen an den Traufwänden und im First in das Haus gelangt. Indirektes Licht moduliert je nach Tages- und Jahreszeit die Raumstimmungen.

hehnpohl architektur bda

Ort
Münster, Deutschland
Bauherr
Dr. Dominik Verhülsdonk
Architektenprofil
Grundstückfläche
125 m²
Nutzungsfläche
229 m²
Umbauter Raum
1.039 m³
Bauzeit
2017 – 2018