Schloss Neustrelitz – Musikakademie Mecklenburg-Vorpommern

Fiona Rey und Jana Zanter

Gebäudevisualisierung: Tor der Einfahrt zum Schloss Neustrelitz

Schloss Neustrelitz - Musikakademie Mecklenburg-Vorpommern

Das Schloss Neustrelitz wurde durch einen Brand am Ende des zweiten Weltkriegs zerstört. Eine konzeptuelle Rekonstruktion der Schlossanlage soll die spürbare Lücke in der Stadt füllen und einen Ort für die Musikakademie Mecklenburg-Vorpommern bieten. Der Bauzustand mit massiver Außenwand und innenliegenden Fachwerkwänden wird neu interpretiert. Eine massive Backsteinwand formt die ursprüngliche Kubatur nach und wird durch eingestellte Holzkörper ergänzt, die das neue Raumprogramm beherbergen.

Die Stadt Neustrelitz ist ungewöhnlich reich an herrschaftlichen Gebäuden aus ihrer Zeit als Residenzstadt der Herzöge von Mecklenburg-Strelitz. 1732 wählten die Herzöge das aus Fachwerk errichtete Jagdschloss zu ihrem neuen Schloss in Strelitz. Dazu wurde das bescheidene Jagdschloss zu einer dreigeschossigen, um einen Ehrenhof angelegten, barocken Schlossanlage ausgebaut. Neben dem Schloss wurde die neue Residenzstadt auf einem sternförmigen Grundriss gegründet. Die Schlossstraße der Stadt trifft im Stumpfen Winkel auf die Gartenfassade des Schlosses. Ab 1755 wurden die Fachwerkaußenwände nach und nach durch verputze Mauerwerkswände ersetzt. Später kamen noch, je nach wirtschaftlichen Möglichkeiten, weitere Um- und Anbauten hinzu. Bei einem Brand am Ende des zweiten Weltkriegs wurden die historischen Fachwerkwände vollständig zerstört. Die Ruine wurde 1949 abgerissen und hinterlässt eine entscheidende Lücke im Schlossgarten und die wichtige Achsbeziehung mit der Stadt entfällt.

Der Entwurf beschäftigt sich mit einer konzeptuellen Rekonstruktion und knüpft an den Zustand der Schlossanlage vor den verschiedenen Anbauten an. Die massive Außenwand und die innenliegenden Fachwerkwände werden neu interpretiert. Dabei wird die massive Außenwand aus einer massiven Backsteinwand im Kreuzverband geformt, die sich mit dem Gesims, den Pilastern und der Anordnung der Fenster am ehemaligen Schloss orientiert. Die innenliegenden Fachwerkwände werden durch eingestellte Holzkörper widergespiegelt. Diese fassen das neue Raumprogramm, die Musikakademie Mecklenburg-Vorpommern. Die ehemalige Kubatur des Schlosses wird wieder aufgenommen und das fehlende Volumen nimmt seinen lang ersehnten Platz im Schlossgarten ein. Durch die Rekonstruktion des zweiten Kavaliershauses wird die Schlossanlage vervollständigt und die Symmetrie wiederhergestellt. Die Holzeinbauten sind über Holzstege miteinander verbunden. Dazwischen bilden sich lichtdurchflutete Innenhöfe aus. Die Verbindungsstege haben ein Zwischenklima und schützen vor der Witterung. Im Mittelbau fügt sich der größte Holzkörper ein. Dieser fasst den Orchestersaal, der über das Foyer im Erdgeschoss erschlossen und über ein Oberlicht belichtet wird.

Der Saal streckt sich über zwei Geschosse und orientiert sich am Ehrenhof. In den Obergeschossen der Kopfbauten befinden sich ein Probesaal und der Hörsaal der Musikakademie, beide ebenfalls zweigeschossig. Im Westflügel ordnen sich Küche, Bar und Speisesaal in die Körper ein. Darüber befinden sich die Proberäume, die Bibliothek und eine Werkstatt. Die Büros sind im Erdgeschoss des Ostflügels untergebracht und in den Geschossen darüber liegen die Seminarräume. Auch der Kavaliersbau auf der Ostseite wird rekonstruiert. Hier findet die Beherbergung der Studenten der Musikakademie statt. Über zwei Geschosse verteilt, ordnen sich Einzel- und Doppelzimmer an. Der Grundriss und die Fassade sind am ehemaligen Kavaliershaus angelehnt.

Ort
Neustrelitz, Deutschland
Architektenprofil
Grundstückfläche
7.852 m²
Bebaute Fläche
2.385 m²
Nutzungsfläche
3.255 m²
Bauzeit
2021 – 2022